Diskussion:Besetzung FU Berlin/AG/Forderungen/Verbesserung der Lehr- und Lernqualität
Aus Orga-Wiki zum Bildungsstreik 2009
[Bearbeiten] Verbesserung der Lehr- und Lernqualität
u.a.
[Bearbeiten] kleinere Seminare durch Einstellung neuer Lehrkräfte
- Aufgrund von Personalmangel und -abbau sind viele Seminare und Vorlesungen überfüllt, was eine konstruktive Arbeitsatmosphäre und Beteiligung ausschließt.
- Pro:
- Kontra:
[Bearbeiten] Reduktion von Arbeitsaufwand
- Pro 1: Das ein Universitätsabschluss generell einer Berufsausbildung gleich kommt ist mehr als eine Illusion. Auch wenn es manchmal Teilen der Bevölkerung schwer zu vermitteln ist: Eine Universität bietet in erster Linie eine Anleitung zum selber Denken. Fachkompetenzen für einen späteren Job werden in den meisten Fällen dort erst erlernt (das Erstellen von Rasterelektronenmikroskop-Präparaten z.B. wird nicht in der Grundausbildung an der Uni, sondern erst im konkreten Beruf trainiert - learning on the job) - was bei der Vielfalt der Berufe auch nur sinnvoll ist.
- Vor diesem Hintergrund ist eine völlige Überbelegung von Stundenplänen sinnlos. Wissen heißt, wissen wo es steht. Eine Konzentration auf das individuell wichtige ist nötig. Dazu braucht es eine freiere Fächerwahl. Niemanden ist geholfen, wenn ich einen Biologen zur Veranstaltung "Physik für Biologen" schicke, dieser aber absolut kein Interesse daran zeigt und nach Beendigung alles wieder vergisst.
- Pro 2: Zur Reduktion von Arbeitsaufwand würde auch einiges beitragen, wenn die Anzahl der vergebenen Leistungspunkte mit der Zahl der geleisteten SWS übereinstimmen würde. Es gibt Module, die unglaublich hohe Anforderungen stellen (jede Woche ausführliche Protokolle mit endlosen Tabellen und Diskussion), aber für diese dann nur wenige Leistungspunkte vergeben, weil "offiziell" die Semesterwochenstundenzahl sehr gering angesetzt ist. Wer definiert den Arbeitsaufwand, den ein Modul verlangt?
- Oftmals ist ein hoher Arbeitsaufwand auch der Kreativlosigkeit der Lehrveranstalterinnen geschuldet. So verlangen manche (aus Gewohnheit) seitenlange Protokolle, andere (in Anpassung an den Bachelor) lediglich einen 1-seitigen Bericht, in welchem gleichzeitig die Konzentration auf das Wesentliche gelernt wird. Ich denke entscheidend müssten hier auch die Fachschaftsinitiativen die bekannten "Problemmodule" in den entsprechenden Gremien benennen und dort Vorschläge aushandeln.
- Kontra: Gerade für die Naturwissenschaften ist ein Kanon von Fachkenntnissen nötig (vgl. selbstbestimmte Schwerpunktsetzung). Will jemand den Titel der jeweiligen Naturwissenschaften haben, muss er diesen Kanon zumindest einmal gehört haben. Weitere Konzentration und Einschränkung der Inhalte führt zu noch minderwertigeren Abschlüssen. Für eine Reduktion des Workload kann nur eine Verlängerung der Regelstudienzeit sorgen. Laut einigen Professoren und internen Sitzungen ist die normale Regelstudienzeit für den Monobachelor Biologie längst bei 7 Semestern angekommen. Eine Korrektur der Regelstudienzeit nach oben ist lediglich eine Anpassung an die Realität.
[Bearbeiten] Verlängerung der Regelstudienzeit (Bafög!)
- Pro: Eine Verlängerung der Regelstudienzeit ist lediglich eine Anpassung an die Realität.
- Kontra: Wenn es bei der Verlängerung der Regelstudienzeit nur ums Bafög geht, wäre es dann nicht sinnvoller eher eine Überarbeitung des Vergabesystems zu fordern? Anders herum wenn es nur eine Anpassung an die Realität ist, weil die Regelstudienzeiten nicht einhaltbar sind, sind wir dann nicht wieder bei Verringerung des Arbeitsaufwand? In der Hinsicht wäre es also meiner Meinung nach klüger eine Überarbeitung des Bachelorsystems zu fordern, dass es wieder möglich ist den Abschluss in der Regelstudienzeit zu bekommen. -- AG-Forderung->Andreas 00:03, 14. Nov. 2009 (CET)
[Bearbeiten] Stärkung und Ausbau kritischer Wissenschaften
- Pro: In vielen Studiengängen (z.B. den Wirtschaftswissenschaften) steht nur auf dem Lehrplan, was nur aktuelle Lehrmeinung unter einigen Meinungsführern ist. Anstatt sich kontrovers mit Theorien auseinander zu setzen, wird nur gelernt, wie man diese Theorien anwendet. Nicht systemkonforme Theorien werden größtenteils nicht behandelt. Dabei können alternative Theorien andere und vielleicht bessere Antworten auf die Probleme unserer Zeit geben.
- Kontra: Moden in der Wissenschaft gab es schon immer. Kritische Wissenschaften scheinen gerade "unmodisch" zu sein. Das wird sich ändern. Wer sollte die kritischen Wissenschaften bezahlen? Der Staat? Dann würde dieser gewisse Bereiche am Fachbereich subventionieren. Gleiches Recht für alle: Wer würde noch einen Antrag auf Förderung stellen? Wer setzt Grenzen? Das Defizit innerhalb der kritischen Wissenschaft ist extrem Bedauerlich, doch wissenschaftliche Wahrheiten beweisen sich zu gegebener Zeit selbst und sollte die kritische Wissenschaft welche von diesen Wahrheiten zu liefern haben, so wird ihre Zeit auch wieder kommen. Ein gelenkter Wissenschaftsbetrieb erscheint mir dagegen nicht praktizierbar.
- Kontra Kontra: Statt "Wer sollte die kritischen Wissenschaften bezahlen?" ist doch eher die Frage sinnvoll "Wer sollte die UNkritischen Wissenschaften bezahlen?". Jeder Wissenschaftler muss kritisch sein, sonst verdient er es doch nicht, als Wissenschaftler bezeichnet zu werden. Was mich irritiert ist die in diesem Kontra durchscheinende Auffassung von einer Fachrichtung "Kritische Wissenschaft": Sind wir schon soweit?
- Mu: 'Kritische' Wissenschaften existieren wohl nur in den Gesellschaftswissenschaften, oder wie sähe denn eine kritische Informatik, Physik oder Mathematik aus?
[Bearbeiten] Stopp der Separation zwischen akademischer und „normalberuflicher“ Ausbildung
- Pro: Kann helfen, den Elfenbeinturm in eine Bildungs- und Erkenntnisstätte zu verwandeln, da dadurch sowohl der Austausch zwischen Theorie und Praxis als auch die gewinnbringende Kombination unterschiedliche Lebenserfahrungen gefördert und damit in Wissenschaft und Forschung eingehen können.
- Pro: War es nicht erst das ursprüngliche Anliegen der Bachelor-Reform die entsprechenden Universitätsabschlüsse für den kommenden Berufsalltag sinnvoller (affiner) zu gestalten? Wenn es so gesehen wird, ist der Bachelor ein Schritt dahin wieder mehr "normalberufliche Ausbildung" an die akademischen Universitäten zu bringen. Viele Kritiker des Bachelor sehen gerade darin den Nachteil der Reform - ich würde das nicht so scharf betrachten. Wie hoch ist denn tatsächlich der Anteil derer, die nach einer Universitätsausbildung in den Wissenschaften weiter arbeiten wollen und wie hoch ist der Anteil derer, die konkrete Berufe in der freien Wirtschaft ausüben? Der Anteil der zweiten Fraktion dürfte bedeutend größer sein. Und sollte nicht gerade diesen Menschen ausreichend "normalberufliches Handwerkszeug" an die Hand gegeben werden? Bleibt die Frage, was dieses Handwerkszeug konkret sein soll. Fertigkeiten mit Laboreinrichtungen umzugehen oder breites Querdenken im Bezug auf Problemstellungen? Die erste Fertigkeit wird im Bachelor gut ausgebildet - um die zweite Fertigkeit zu erwerben braucht es bisher das explizite Eigenengagement der einzelnen Studentin. Doch frage ich mich - war das je anders?
- Kontra: Die verschiedenen Formen der Ausbildung verfolgen verschiedene Ziele, eine „normalberuflicherere Ausbildung“ findet bereits in den FHs statt.
- Kontra: Wie soll eine normalberufliche Ausbildung in den Geisteswissenschaften aussehen? Dies schränkt eher noch weiter ein und verhindert eine eigenständige Orientierung und Profilbildung. Außerdem widerspricht es auch unserer Forderung nach einer von der Wirtschaft unabhängigen Lehre.
[Bearbeiten] Kommerzielle Werbung an der Uni soll sofort verboten werden
- Kontra 1: dies steht leider im Widerspruch zu jeglicher Forderung nach mehr Investitionen in Bildung. Man muss herausfinden, groß der Anteil an Werbeeinnahmen im Haushalt der FU ist, um eine Abschaffung zu überdenken
- Kontra Kontra1: Der erste Satz stimmt nicht: Dies stände lediglich in einem Widerspruch zu versteckten Investitionen in die Bildung (?) durch kommerzielle Werbetreibende. Da zudem die durch die Werbetreibenden gelenkte finanzielle Beeinflussung annahmsweise nicht unbedingt erwünscht ist, ist "Kontra 1" anzuzweifeln.
- Kontra 2: Die genannten Pro Argumente sind auf einer gewissen Ebene einleuchtend, doch gehen sie an der Realität vorbei. Die Anzahl derer, die durch einfache Werbeplakate an ihrer geistigen Entfaltung gehindert werden oder die den Wahrheitsgehalt im wissenschaftlichen Forschen aus den Augen verlieren, dürfte gering sein. Ich denke es wird unterschätzt, dass Menschen, die ständig überall mit Werbung bombardiert werden, ganz schnell auch lernen diese zu übersehen. Ich könnte nicht sagen, wer alles innerhalb der letzten Woche vor der Mensa seine Werbezettelchen verteilt hat. Interessieren würde mich dagegen, wozu die eingenommenen Gelder verwendet werden. Da könnte doch Einfluss genommen werden.
- Kontra Kontra2: Durch Werbung von "Karriere-Dienstleistern" u.ä. wird Studierenden und Lehrenden(!) suggeriert, dass die Hauptaufgabe der Uni darin besteht, Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt zu produzieren. Dass auch nicht-bewußt wahrgenommene Werbung funktioniert ist keine Neuigkeit.
- Kontra: Dennoch ist es realitätsfern zu fordern, die Unis soll ein werbefreier Raum sein, wenn zugleich TV, Print und alle öffentlichen Plätze voll von Werbung und neoliberaler Ideologie sind - eher sollte man sich kritisch mit selbiger außeinandersetzen, da kann die Werbung ja als Anschauungsobjekt dienen ;-P
- Pro 1: Wir lehnen grundsätzlich die Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft ab, da wir es für eine unabhängige Forschung und Lehre für absolut notwendig ansehen, dass Konzerne keinen Einfluss auf die Lehrpläne oder die Ziele von Forschungsarbeiten ausüben. Dieser Einfluss kann dann nicht mehr vermieden werden, wenn der universitäre Betrieb von privaten Geldern finanziert wird. Die Finanzierung unserer Bildung aus öffentlicher Hand ist die Mindestgrundlage um zu verhindern, dass Lehrinhalte sich nach Rentabilität statt nach Wahrheitsgehalt richten.
- Pro 2: Die ständige Konfrontation mit Werbung an unserer Uni behindert unsere freie geistige Entfaltung und stört ganz massiv den Alltag vieler Studierender. Es ist der Lernatmosphäre in keinster Weise zuträglich alle 5m mit dummen und z.T. auch sexistischen Werbe-Sprüchen wie „Macher, Macker, Rocker“ oder „Zicke, Schnitte, Schnecke“ ( O2 ) bombadiert zu werden.
- Pro 3: Reinigungskräfte durch Werbefirmen bezahlen zu lassen um sich der Verantwortung gerechter Entlohnung zu entziehen.
[Bearbeiten] Die Dozenten sollten eine didaktische Ausbildung haben
(Vorschlag aus der AG) alternativ Fortbildungen